Theorie – Praxis – Forschung – Lehre… alles als Einheit in der Lehrerbildung?

Es ist mal wieder einige Monate her, dass ich angekündigt habe, meine Gedanken zur Frage einer “Einheit von Lehre und Forschung” in einer Fakultät, die sich vor allem mit Lehrerbildung beschäftigt, zu ordnen. Zwischenzeitlich war ich einfach von der Thematik abgekommen. Vor einigen Tagen kam aber in einem Gespräch ein anderes Thema auf, das mit ersterem zusammenhängt: Der Zusammenhang von Theorie und Praxis in der Lehrerbildung.

Das ist sicherlich ein äußerst häufig diskutiertes und dementsprechend kontroverses Thema, weshalb ich jetzt auch gar keinen Versuch machen werde, in irgendeiner Weise erschöpfend darüber nachzudenken, wie es sein sollte. Viel eher trage ich einige Ideen mit mir herum, warum bestimmte Schwierigkeiten bestehen…

Zunächst einmal ist mir aufgefallen, dass die Frage, die ich im letzten Post gestellt habe (nämlich: wie kann die Einheit von Lehre und Forschung in der Lehrerbildung gestaltet werden) schon wieder mal nur “einperspektivisch”, nämlich von der universitären Lehrerbildung her, gedacht war. Dabei muss als Äquivalent zumindest die Frage hinzugedacht werden, wie die Verbindung (–> finde ich besser als “Einheit”) von “Theorie” und “Praxis” im Lehramtsstudium zu denken ist. (wobei ich die Erfahrung gemacht habe, dass für die Studierenden alles das “Theorie” ist, womit sie sich an der Uni beschäftigen, egal ob das nun wirklich in unserem Sinne “Theorie” ist oder z.B. Ergebnisse empirischer Forschung).

Nicht umsonst kommt bei vielen Studierenden immer wieder die Frage auf, was das in der Uni gelernte denn nun eigentlich “in der Praxis bringen” würde. Die Frage ist durchaus angebracht. Gerade bei Lehramtsstudierenden, die ihr zukünftiges Berufsfeld bereits vergleichsweise gut kennen oder zu kennen glauben, steht dahinter aber oft auch die Frage nach “Rezepten” für den Umgang mit konkreten Problemsituationen. Rezepten, die es nicht gibt, und nicht geben kann, da Situationen ebenso wie Personen verschieden sind und nicht “auf Knopfdruck” funktionieren. (Theorie ist ja eigentlich nicht situationsspezifisch.)

Die Frage ist also zunächst: was soll die Beschäftigung mit theoretischen und empirischen Erkenntnissen den zukünftigen Lehrern also bringen? Es sind keine “Rezepte für die Praxis” – sondern eher “Kategorien, Strukturen und Theoriefolien für die Reflexion von Praxis” (wenn ich die vielen unterschiedlichen Stellen, wo ich das schon gelesen habe, noch einmal finde, ergänze ich sie hier…).

“Reflexion von Praxis” ist dabei allerdings etwas, das auch schon im Studium stattfinden könnte (denn dafür gibt es ja eigentlich gerade die Schulpraktika usw.).  Weshalb stößt man dabei so oft auf Schwierigkeiten?

Eine Idee meinerseits wäre, dass wir es hier mit unterschiedlichen Systemlogiken zu tun haben, die gar nicht so einfach zusammenzubringen sind:
In “der Praxis” (also z.B. an den Praktikumsschulen der Studierenden) wird bezogen auf spezifische Situationen und Probleme gehandelt und auch reflektiert. Ziel ist vorrangig die situative Handlungsfähigkeit bzw. die konkrete Problemlösung.
Die Universität funktioniert aber (meist (noch)) nach einer anderen Logik: die Lehre ist nach inhaltlichen Gesichtspunkten strukturiert und verfolgt das Ziel, den Studierenden ein möglichst umfassendes Wissen zu vermitteln (Comenius: allen alles lehren…) (übrigens funktioniert Schule in ihrer ‘Lehrfunktion’ wohl auch stark nach diesem Prinzip).
Das bedeutet in der Konsequenz häufig, auf die konkreten, situativ und in sehr spezifischen Themenfeldern gewonnenen Praxiserfahrungen der Studierenden eben gerade nicht eingehen zu können und ihnen damit gerade nicht die Möglichkeit geben zu können, die Bedeutung von “theoretischem” Wissen für die Reflexion konkreter Praxis zu erfahren. (diese zeigt sich für mich eben hier auch auf einer Metaebene: einige Ideen der Systemtheorie (Luhmann, nur soweit kenne ich diese) scheinen sich für eine Analyse dieser Zusammenhänge förmlich aufzudrängen…)

Daher stelle ich mir die Frage, ob es nicht notwendig ist, von der grundsätzlichen “inhalts-überblicks-orientierten” Logik – ein Stück weit, sicherlich nicht im gesamten Bildungsgang… – wegzugehen um die theoretische Beschäftigung mit in der Praxis angeregten Fragen zu ermöglichen. Wir haben das – ohne dies in dieser Form systematisch zu denken – im letzten Semester in einem Seminar ausprobiert – darüber berichte ich dann, wenn die Ergebnisse etwas stärker geordnet und reflektiert vorliegen…

3 Antworten zu Theorie – Praxis – Forschung – Lehre… alles als Einheit in der Lehrerbildung?

  1. metaprozess sagt:

    Die Gedanken sind wunderbar konkret ausgesprochen und in Worte gefasst.
    Das Theorie-Praxis-Problem sollte mehr in den Fokus gestellt werden und die passive Informationsvermittlung sollte hin zur aktiven Umsetzung ausgebaut werden.
    Ich bin gespannt auf die Seminar-Ergebnisse und weise auf die notwenigkeit eines Paradigmenwechsels hin!

    Herzliche Grüße
    Bettina Kietzmann

  2. [...] einer längeren Blogpause hatte ich mal einige Gedanken zum Thema Praxis- und Forschungsorientierung in der Lehramtsausbildung [...]

  3. [...] hatte mich in der letzten Zeit in einigen Artikeln mit dem Theorie-Praxis-Zusammenhang in der Pädagogik (und zwar sowohl in der Forschung als auch in [...]

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