Dem Trend hinterher! (?)

23. April 2012

Heute bin ich endlich (“nur” eine Woche nach offiziellem Beginn) dazu gekommen, die erste Live-Session des opco 2012 (eine kurze Zusammenfassung hier) nachzuhören und ins Thema hineinzuschnuppern.

“Trends im E-Teaching” – so heißt der diesjährige Open Course. Mhm. Trends… Ehrlich gesagt, ist das für mich aus verschiedenen Gründen ein eher schwieriges Thema:

1. Ich bin, auch was die Nutzung von technologischen Innovationen angeht, eher langsam. Oder halte mich zumindest dafür. Vielleicht nicht unbedingt langsam im Vergleich zu meiner Elterngeneration, eigentlich auch nicht unbedingt im Vergleich zu den meisten meiner Studierenden (interessanterweise). Aber doch zumindest im Vergleich zu den meisten “Trends” – und das nicht nur in Bezug auf die “diesjährigen”, sondern auch in Bezug auf viele schon lange bestehende: ich komme erst so nach und nach ins Bloggen rein, habe immer noch keinen Twitter- oder anderweitigen Microblogging-Account (vor einigen Jahren bin ich mal von den Twitter-AGBs abgeschreckt worden, und die Alternativen zu testen, habe ich mir bisher nicht die Zeit genommen – vielleicht kommt das ja noch), … und speziell zu den im diesjährigen Horizon-Report ausgeführten Trends: ich besitze (immer noch) kein Smartphone, kein Tablet, … – so dass ich zu ‘mobile apps’, ‘tablet computing’ und ‘gesture based computing’ nur theoretisch mitreden kann, zu den beiden anderen Trends (‘learning analytics’ und ‘game-based learning’) habe ich ähnlich rudimentäre Vorstellungen. Trends sind also nicht meine Kernkompetenz. Aber für das Erlernen von Neuem sollte ein Kurs ja da sein – insofern bin ich gespannt, was ich über die einzelnen Trends lernen kann (möglicherweise auch ohne die Möglichkeit, einzelnes direkt auszuprobieren) und freue mich über die Anregung dazu, an den aktuellen Entwicklungen “dran zu bleiben”.

2. Von meiner “Denkweise” her, versuche ich eigentlich, nicht von den Technologien ausgehend zu denken, sondern von Lernenden, Lernzielen oder Lernprozessen. Zugegebenermaßen fällt das nicht nur im Zustand der Begeisterung über technologische Möglichkeiten, sondern vor allem auch im Zustand der Verzweiflung über technologische Restriktionen oft schwer. Aber ich mag es eigentlich nicht, meine didaktischen Überlegungen von der Technik steuern zu lassen (eine ähnliche Überlegung in Bezug auf die gesellschaftlichen Schlüsseltrends findet sich hier). Ich bin deshalb vor allem gespannt darauf, hinter den Technologien vielleicht auch didaktische Ideen oder Konzepte zu entdecken.

Was das Entdecken von didaktischen Ideen und Konzepten angeht, bin ich vor allem auch auf das Format “Open Course” selbst gespannt. Vor allem die starke Individualisierung in Kombination mit der Orientierung am Gedankenaustausch spricht mich sehr stark an. Gespannt bin ich, welche Auswirkungen die Möglichkeit der Anerkennung in unterschiedlicher Form hat. Denn aus eigener Erfahrung weiß ich: einige (und zwar auch, aber nicht nur gute): Das von mir initiierte Blended-Learning-Tutorium lief im ersten Jahr auch ohne jegliche explizite Anerkennung, im zweiten Jahr dann mit Anerkennung der Studienleistung ab. Die Veränderungen, die sich daraus ergeben haben, sind vielleicht nicht eins zu eins auf den opco übertragbar, aber die eher ausführliche Diskussion um Anerkennungsformen und -regeln (bis hin zu zu beantwortenden Leitfragen etc.) in der Online-Session erinnerte mich irgendwie daran… mal sehen, wie es weitergeht.

Außerdem bin ich gespannt, wie sich der gemeinsame Austausch im Open Course gestalten wird. Und ob es mir gelingt, trotz zeitlicher Restriktionen (kleines Kind, das u.a. die Teilnahme an den Online-Sessions zu verhindern wissen wird, usw.) aktiv dabei zu bleiben. Und ob ich es schaffe, überhaupt einen Gedanken zu Ende zu denken bzw. gar zu schreiben, ohne die notwendige “Aktualität” schon verloren zu haben. (So wie ich es nicht mal geschafft habe, mich überhaupt vor Beginn des Kurses anzumelden, befürchte ich, dass die Diskussionen – wenn nicht gar die Trends selbst ;-) – bereits verflogen und vorbei sind, wenn ich überhaupt einen klaren Gedanken dazu gefasst habe…). Aber “Aktualität” sollte eigentlich das Thema eines eigenen Blogposts sein (der schon hätte nach der GML im März entstehen sollen… – genau meine Rede!). In diesem Sinne freue ich mich auf die kommenden Wochen und tue mein Bestes! Ob ich dem Trend auf die Spur komme oder doch hinterherhinke, wird man sehen ;-)


Hello world!

12. August 2009

Zwar ist das hier (noch) nicht mein erstes selbstgeschriebenes Programm, aber der Titel den WordPress hier ‘meinem’ ersten Post verpasst hat, ist nicht ganz untreffend ;)

Als erstes mal der Versuch zu erklären warum ich denn (erst? gerade? zu diesem Zeitpunkt) das gefühlt 10327te Blog zu den Themen E-Learning und Bildung, Netzgesellschaft und Medien eröffne.

Zuerst ganz einfach: ich beschäftige mich schon eine Weile mit diesen Themen und möchte meine Perspektive in die gegenwärtige Vernetzung einbringen, sie produktiv werden lassen und weiterentwickeln.

Warum jetzt – nun, Anlass meines quasi nächtlichen Blogstarts ist mein heutiges “Stolpern” über die “Neuronenmetapher” von Jean-Pol Martin. Das hat bei mir zum einen sehr viele spannende Gedanken darüber angeregt, wie Wissenschaft und Lernen heute funktionieren können und sollten (genaueres in einem nächsten Post). Andererseits bin ich dadurch ermutigt worden, das immer wieder aufgeschobene Projekt eines aktiven und inhaltlich auf ‘meine’ Themen fokussierten Weblogs endlich anzugehen. Dieses stellt also auch den Versuch dar, zu einem “Neuron” im entstehenden “Netzgehirn” zu werden…

Besser spät als nie – warum _erst_  jetzt?

Allein dass ich mir diese Frage stelle ist wahrscheinlich symptomatisch… warum nicht _erst_ jetzt? Nun – der besondere Wert, den “Aktualität” in der heutigen Gesellschaft allgemein und in der bestehenden Community  im speziellen hat, legt es nahe, darüber nachzudenken. Wenn ich erst jetzt ein Blog eröffne, von der Neuronenmetapher gehört habe oder ähnliches, dann vermittelt sich mir immer wieder der Eindruck des “Nicht-up-to-date-seins” – der scheinbar einzigen Todsünde unserer Zeit.

Ich bin aber in einem längeren Denkprozess (der übrigens auch etwas mit der Idee des Konnektivismus zu tun hat), zu der Erkenntnis gekommen, dass es um die Aktualität nicht als einziges gehen kann. Denn es findet in der heutigen Gesellschaft nicht nur eine sehr schnelle Wissensentwicklung statt, sondern diese findet auch an sehr unterschiedlichen reellen und virtuellen Orten statt. Und aller Vernetzung zum Trotz scheint es mir (noch) so, als gäbe es viele Parallelentwicklungen, unbekannte aber dennoch hoch spannende Teildiskurse usw…

Kurz gesagt: Man kann – und ich meine: zunehmend – nicht mehr davon ausgehen, in einem bestimmten Themengebiet ‘up to date’ zu sein und wirklich alle relevanten Entwicklungen zu kennen. Wahrscheinlich wird man (zumindest: werde ich) deshalb immer wieder auf Diskussionsfäden und Ideen stoßen, die nicht brandaktuell sind, die aber dennoch etwas zu meinem Lernen und Leben beitragen können – und zu denen mein Lernen und Leben vielleicht noch etwas beitragen kann. Ich werde lernen müssen, mir die Freiheit zu nehmen, anachronistisch zu sein und dennoch meine Erkenntnisse zu ‘feuern’, auch wenn ich dafür ein Stück Perfektionismus überwinden muss.


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